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Die kleine Holzbank in den Dünen

Nadine Bogner - Die kleine Holzbank in den Dünen
Nadine Bogner - Die kleine Holzbank in den Dünen

 

 

Es fühlte sich komisch für sie an, diesen, ihr so vertrauten Ort, nach fast drei Jahren das erste Mal wieder zu betreten. Die Bank sah noch genauso aus, wie Margarita sie in Erinnerung hatte, nur ein wenig verwitterter. Sanft strich sie mit ihren Fingern über das dunkle Holz, während sie an vergangene Zeiten dachte und sich langsam setzte. Sie blickte auf das weite Meer, das sich vor ihr ausbreitete und sog den Duft des salzigen Wassers und der wilden Natur um sie herum ein. Hier in dieser kleinen Düne am Rande von Spodsbjerg, hatte sie das größte Glück ihres Lebens gefunden und auch wieder verloren. Zumindest glaubte sie lange Zeit, es verloren zu haben. Der Strand war leer und die sommerliche Abendsonne glitzerte auf dem seichten Wasser.

 

Es gelang Margarita so wie früher, als sie diesen Ort das erste Mal für sich entdeckt hatte, ihre Gedanken abzuschalten und einfach den Moment zu genießen, so, wie er sich ihr gerade präsentierte. Sie fühlte die Dankbarkeit in sich, für das, was ihr hier vor etwas über drei Jahren geschenkt worden war. Dabei dachte sie an einen ganz bestimmten Abend, einen Abend, der ihr Leben verändern sollte.

 

 

 

*******

 

 

 

Wie jeden Tag saß Margarita auch an diesem frühen Abend auf ihrer Lieblingsbank am Strand und blickte auf das offene Meer hinaus.  Seit vielen Jahren kam sie nun schon hierher und genoss die Stille und die Natur um sich herum. Für Margarita war es der schönste Platz der Welt, denn hier  konnte sie ihre Gedanken abschalten und einfach nur für sich sein.

 

Heute auf den Tag genau, ein Jahr nach der Scheidung von ihrem Mann Peer, gesellte sich unerwartet ein fremder Herr zu ihr. „Entschuldigen Sie“, sprach er sie höflich an, „darf ich mich ein wenig zu Ihnen setzen?“

 

Es war das erste Mal seit sie herkam, dass jemand beabsichtigte, ihr hier Gesellschaft zu leisten. Und für einen kurzen Moment war sie sich nicht sicher, ob sie ihre Bank mit jemandem teilen wollte. Doch etwas an diesem Mann gefiel Margarita. Vielleicht war es sein charmantes Lächeln, das er ihr entgegenbrachte, vielleicht waren es auch seine leuchtenden Augen, die sie geheimnisvoll anfunkelten oder seine äußerst männliche Gestalt. Egal, was es war, das ihr so imponierte, sie konnte nicht anders, als ein Stück zur Seite zu rücken und ihm somit wortlos Platz zu machen.

 

Eine ganze Weile saßen sie einfach schweigend nebeneinander. Margarita überlegte, wie alt er wohl sein könnte. Vermutlich, so dachte sie, wäre er etwa Sechzig, also ein wenig älter als sie selbst, doch war das im Grunde genommen auch völlig irrelevant. Schließlich suchte sie keinen neuen Partner für sich. Trotzdem ertappte sie sich immer wieder dabei, wie ihre Gedanken, die an diesem Platz sonst immer zur Ruhe kamen, ständig zu dem Mann neben ihr wanderten.

 

„Kommen Sie oft hierher?“ unterbrach er nach einiger Zeit das Schweigen.

 

Sie lachte leise und ihre Augen wirkten dabei so lebendig, wie lange nicht mehr. „Ja“, antwortete sie, „ich komme jeden Tag her, schon fast dreißig Jahre lang.“

 

„Ui“, staunte er. „Dann scheint es Ihnen hier gut zu gefallen.“

 

Margarita nickte. „Wissen Sie“, begann sie, „wenn man vier Kinder, einen Mann und ein großes Haus mit Garten hat, dann braucht man einen Ort wie diesen hier, um einmal seine Gedanken abzuschalten.“

 

„Sie haben vier Kinder?“ fragte er und in seiner Stimme klang Begeisterung mit.

 

„Ja, aber mittlerweile sind sie erwachsen und wohnen in Norwegen und Schweden.“

 

„Das klingt, als wären Sie nicht so glücklich darüber.“

 

„Ich hätte sie schon gerne in meiner Nähe“, gab Margarita zu, „dann würde ich sie häufiger sehen.“

 

„Aber so können Sie und Ihr Mann doch öfter verreisen, das ist auch nicht schlecht“, versuchte er etwas Positives daraus zu gewinnen.

 

„Mein Mann und ich sind geschieden.“

 

 „Oh, das tut mir leid“, entschuldigte er sich und richtete seinen Blick wieder aufs Meer.

 

„Das muss es nicht. Peer, mein geschiedener Mann, hielt nicht besonders viel von Treue. Schon kurz nach unserer Hochzeit fand ich heraus, dass er diverse Affären mit anderen Frauen hatte.“
An seinem Blick erkannte Margarita, dass er sich eine konkrete Frage stellte, die er jedoch nicht laut formulierte. „Bevor sie fragen“, sagte sie deshalb, „ich habe mit jedem Kind, das wir bekamen, gehofft, Peers Liebe zu mir käme irgendwie wieder zurück und wir könnten eine normale, glückliche Familie sein. Doch so war es nicht. Wir spielten die heile Familie für unsere Kinder und alle Menschen, die uns kannten, aber die Liebe kam nie zurück, vielleicht war sie auch niemals da gewesen. Trotzdem schaffte ich es nicht, mich von ihm zu trennen, denn dann hätte ich mit den Kindern alleine dagestanden.“ Sie machte eine kurze Pause und atmete einmal tief durch, so, als wären die Erinnerungen noch schmerzlich zum Greifen nah. „Nach unserer Silberhochzeit, die Kinder waren gerade alle aus dem Haus, reichte Peer dann die Scheidung ein. Und wissen Sie, ich fühlte mich plötzlich unglaublich erleichtert, irgendwie so frei.“

 

Einen kurzen Augenblick schwieg er. Dann blickte er Margarita direkt in die Augen und meinte in leisem Ton: „Da waren Sie aber eine sehr lange Zeit ganz schön unglücklich.“ Voller Mitgefühl berührte er sanft ihre Hand und strich mit seinem Daumen darüber. Ein Kloß bildete sich in ihrer Kehle, denn ihr wurde erst jetzt wirklich bewusst, dass sie tatsächlich über fünfundzwanzig Jahre lang sehr, sehr unglücklich gewesen war. Stille, nie geweinte Tränen flossen nun über ihre Wangen, während der fremde Mann, der sie auf seltsame Weise so berührte, weiterhin ihre Hand hielt. So saßen sie noch eine ganze Zeit lang einfach da und sahen den Wellen zu, wie sie sich seicht am Strand brachen. Dabei war es für Margarita bald unerklärlich, wie seltsam vertraut ihr der Fremde vorkam, obwohl sie ihm hier doch gerade zum ersten Mal begegnet war.

 

 

 

„Wenn es Sie nicht stört, komme ich morgen auch wieder hierher“, verabschiedete er sich, als die Sonne langsam am Horizont verschwand. „Ich bin übrigens Sam.“ Dabei streckte er ihr noch einmal seine kräftige Hand entgegen und blickte sie eindringlich an. Etwas in Margaritas Bauch fing an zu vibrieren und sie fühlte sich merkwürdig schwerelos.

 

„Ich heiße Margarita“, entgegnete sie. „Und ich würde mich sehr freuen, wenn wir uns morgen wieder hier treffen würden.“ Dabei klang ihre Stimme ungewohnt belegt und leicht zittrig.

 

„Margarita“ wiederholte er. „Schön, dann sehen wir uns morgen.“

 

 

 

Und so war es dann auch. Von diesem Tag an saß Margarita jeden Abend hier mit Sam auf der kleinen Holzbank, wo sie gemeinsam aufs Meer hinaus schauten und die wundervollsten Gespräche miteinander führten, die Margarita jemals mit einem anderen Menschen geführt hatte. Sie fühlte sich unglaublich wohl, geborgen und gleichzeitig so lebendig in seiner Gegenwart, dass ihr Herz täglich vor Freude hüpfte, wenn sie nur an ihn dachte. Und obwohl sie tief in sich spürte, dass ihre Gefühle für Sam schon nach kurzer Zeit ins Unermessliche gewachsen waren, wahrte sie stets einen gewissen Abstand zu ihm, weil sie fürchtete, dass die wundervolle Freundschaft, die innerhalb weniger Wochen zwischen ihnen entstanden war, sonst womöglich zerstört würde und Sam irgendwann wieder das Weite suchte. Das wollte sie auf keinen Fall riskieren, denn niemals hätte sie sich vorstellen können, jemals wieder alleine auf dieser kleinen Holzbank, die sie nun miteinander teilten, zu sitzen.

 

Und dennoch kam der Tag, an dem sich mit einem Male alles verändern sollte. Sam wartete an diesem Sommer-Abend bereits auf Margarita und hatte ein kleines Picknick vorbereitet.

 

„Das sieht ja wunderbar aus“, rief sie ihm schon aus einiger Entfernung zu und beeilte sich, zu ihm zu kommen. „Ist heute etwas Besonderes?“

 

Sam strahlte übers ganze Gesicht und bat sie, Platz zu nehmen. Dann nahm er vorsichtig ihre Hände in die seinen und sah ihr so tief in die Augen, dass ihr bald schwindelig wurde.

 

„Ich muss dir etwas sagen“, begann er und sie sah eine Röte in sein Gesicht steigen, die sie so noch nie an ihm gesehen hatte. Sie hatte irgendwie schon so eine Ahnung, was er jetzt gleich sagen würde und spürte eine Angst in sich, die ihr das schlimmste Herzrasen bescherte. Und dann nahm das erwartete Schicksal seinen Lauf. Seine liebevollen, sanften Worte trafen sie wie ein Donnerschlag. „Margarita, ich liebe dich.“

 

 

 

Bamm, da war es raus! Der Satz, den sie irgendwie insgeheim so erhofft, und doch auch so gefürchtet hatte! Noch immer hafteten seine Augen auf ihr, sichtlich ängstlich darauf  hoffend, dass sie diese Liebe erwidern würde. Doch Margarita war das zu viel. Mit einem Male fühlte sie sich wie ein eingesperrtes Tier, dachte an Peer, der ihr auch einst seine Liebe beteuert und diese bald darauf wieder verraten hatte. Nein, noch einmal würde sie so etwas nicht mehr mitmachen. Solche Schmerzen wollte sie nie wieder fühlen müssen. Voller Panik entriss sie Sam seine Hände, wandte ihren Blick von ihm ab und richtete ihn stattdessen aufs Meer. „Tut mir leid Sam“, hauchte sie so leise, dass es kaum zu hören war. „Ich kann deine Gefühle nicht erwidern.“ Mit diesen Worten, die, wie sie wusste, nicht im Entferntesten der Wahrheit entsprachen, stand sie auf und rannte wortlos davon, ohne sich noch einmal umzusehen.

 

 

 

Erst Zuhause erwachte sie allmählich aus ihrer Schockstarre und versuchte ihr Herz, ihren Atem und ihr wildes Gedankenkarussell wieder in den Griff zu bekommen. Alles in ihr schrie sie an, dass sie einen großen Fehler gemacht hatte. Sie liebte Sam schließlich auch, das wusste sie. Sie liebte ihn sogar so sehr, wie sie niemals zuvor jemanden geliebt hatte. Aber der Gedanke, dass er sie eines Tages auch verlassen könnte, schnürte ihr die Kehle zu und versetzte sie in solch eine Angst und Panik, dass sie sich mitten auf ihrem Holzfußboden im Wohnzimmer erbrach. Tief in ihrem Inneren wusste sie, dass er sie niemals verlassen würde, weil er sie, im Gegensatz zu Peer, wirklich liebte. Das fühlte sie. Und mit diesem Gefühl der absoluten Sicherheit, dass Sam es ernst mit ihr meinte, stürzte sie fast wie eine Wilde aus dem Haus, um ihren Fehler wieder gut zu machen. So schnell, wie ihre Beine es ihr erlaubten, lief sie zurück zu der kleinen Holzbank, doch Sam war nicht mehr da. Nun stieg noch mehr Angst in ihr auf, denn erst jetzt fiel ihr auf, dass sie niemals mit ihm darüber gesprochen hatte, wo sie Beide wohnten. Stets hatten sie sich hier getroffen und gemeinsam die Zeit vergessen, ehe jeder wieder in seinen eigenen Alltag ging. Und jetzt konnte sie ihn nicht einmal irgendwo suchen, weil sie auch seinen Nachnamen nicht kannte.

 

„Dann komme ich morgen wieder“, sagte Margarita laut zu sich selbst, in der Zuversicht, dass Sam ebenfalls wiederkommen würde. So, wie es seit ihrem Kennenlernen immer der Fall gewesen war.

 

Doch am nächsten Abend wartete sie vergebens auf ihren Liebsten, ebenso an allen darauffolgenden Tagen. Sam blieb verschwunden und Margarita fiel in eine Traurigkeit, wie sie sie ihr ganzes Leben lang noch niemals erlebt hatte. Innerhalb weniger Wochen hatte sie dadurch, dass sie keinen Appetit mehr verspürte, so viele Kilos verloren, dass sie sich gezwungenermaßen neue Kleidung kaufen musste. Ihre Haut wirkte fahl und ihre letzten braunen Haare, die sie noch hatte, verwandelten sich ebenso wie alle anderen in Mausgraue Fäden. Sie machte sich schwere Vorwürfe, weil sie so unehrlich zu Sam gewesen war, gleichzeitig wurde sie wütend auf ihn, weil er ihr nicht einmal mehr die Chance gab, es wieder gut zu machen. Die schmerzhafte Trennung von diesem Menschen, den sie so sehr liebte, fühlte sich an wie ein Drogenentzug und niemand, dem sie von alldem erzählte, verstand auch nur annähernd, was in ihr vor sich ging.

 

Ein paar Wochen ging sie weiterhin jeden Tag zu der kleinen Holzbank, in der Hoffnung, Sam würde doch noch einmal dort sein. Doch als sie schmerzhaft realisierte, dass er ganz offensichtlich nicht mehr kommen würde, schaffte auch sie es nicht mehr, diesen Ort, der so viele Jahre lang der schönste Platz auf der Welt für sie gewesen war, weiterhin zu besuchen.

 

 

 

*******

 

 

 

Eigentlich wusste Margarita selbst nicht so genau, was sie dazu veranlasst hatte, heute, auf den Tag genau drei Jahre nachdem sie Sam hier das erste Mal begegnet war, wieder herzukommen. Es war einfach so ein inneres Gefühl, eine leise Stimme in ihr, der sie sich nicht widersetzen konnte. Und nun saß sie hier, schaute auf die seichten Wellen und lächelte glücklich vor sich hin. Während sie so dasaß, bemerkte sie von weitem eine männliche Gestalt, die genau auf sie zukam. Unweigerlich begann Margaritas Herz schneller zu schlagen, denn auch, wenn der Mann noch etwas weiter entfernt war, hatte sie seinen Gang sofort erkannt. Es war tatsächlich Sam. Wie ferngesteuert stand sie auf und ging ihm langsam ein paar Schritte entgegen. Je näher er auf sie zukam, umso wilder schlug ihr Herz. Sie sah, dass er lächelte, nein, eigentlich war es kein Lächeln, das sie auf seinem Gesicht erkannte, sondern ein Strahlen. Jetzt spürte sie, wie ihre Knie weich wurden und sie das Gefühl bekam, ihre Beine würden augenblicklich nachgeben und sie zu Boden reißen. Doch genau in diesem Moment war Sam bei ihr angekommen und schloss sie zunächst wortlos in seine starken Arme und hielt sie so eine ganze Weile fest umschlungen.

 

„Wie wundervoll, dich wiederzusehen“, flüsterte er ihr irgendwann zärtlich ins Ohr, trat einen winzigen Schritt zurück und schaute ihr tief in die Augen.

 

Margarita wollte etwas erwidern, doch aus ihrer Kehle kam zunächst kein einziger Ton. Stattdessen liefen ihr unzählige Tränen über die Wangen. Irgendwann schaffte sie es, ein „Es tut mir so schrecklich leid“ aus ihren Lippen herauszupressen. Sofort zog Sam sie wieder enger an sich heran und wischte ihre Tränen vorsichtig mit seinen Daumen beiseite.

 

„Nein, mir tut es leid“, entgegnete er ihr, „dass ich dich damals so mit meinen Worten überfallen habe. Ich hätte wissen müssen, dass du, nach der Geschichte mit deinem Mann, damit Probleme hast, wenn jemand diesen, so bedeutungsvollen Satz, zu dir sagt.

 

„Weißt du“, schluchzte sie nun, „ich bin wieder hergekommen, damals. Noch am selben Tag, aber du warst schon verschwunden. Und als du auch an all den darauffolgenden Tagen nicht mehr kamst, habe ich unserer schönen kleinen Holzbank ebenfalls den Rücken zugekehrt.“

 

Sams Gesicht verzog sich schmerzhaft und nun hatte auch er ein paar Tränen in den Augen. „Ich bin tatsächlich gleich gegangen, nachdem du einfach weggelaufen bist, weil ich mit meinem eigenen Gedankenkarussell eine Weile alleine sein musste, und zwar fernab von diesem wunderschönen Platz.“ Dabei zeigte er mit seiner ausgestreckten rechten Hand in die weite Landschaft, die sie umgab. „Zuhause habe ich dann wie aus dem Nichts einen leichten Schlaganfall bekommen und war einige Wochen in einer Klinik.“

 

„Was?“ schrie Margarita und hielt sich die Hände vors Gesicht. „Das ist ja schrecklich.“

 

„Das war es wirklich, denn als ich nach meiner Genesung wieder hierherkam, war von dir keine Spur mehr zu sehen.“

 

„Und?“, fragte sie nun zaghaft, „Bist du dann auch nicht mehr hergekommen?“

 

„Oh doch“, lächelte er sie an, „jeden Tag. Immer in der Hoffnung, du würdest irgendwann wieder hier sitzen.“

 

Behutsam strich er ihr eine Haarsträhne, die der Wind in ihr Gesicht gepustet hatte, hinter das Ohr, beugte sich zu ihr und gab ihr einen zärtlichen Kuss auf die Lippen, den sie ebenso warm erwiderte. „Und heute war es endlich soweit.“

 

„Oh, Sam“, hauchte sie und fühlte, wie die Schmetterlinge in ihrem Bauch vor lauter Glück Pirouetten drehten, „ich liebe dich.“

 

„Ich liebe dich auch“, entgegnete er sichtlich glücklich und setzte für einen neuen, innigen Kuss an.

 

 

 

Erst eine ganze Weile später, als sie sich endlich voneinander lösen konnten, setzten sie sich gemeinsam auf ihre kleine Holzbank mitten in den Dünen und schauten aufs Meer hinaus, so, wie sie es früher immer getan hatten. Dann erzählten sie sich gegenseitig von den letzten drei Jahren, die sie ohne einander verbracht hatten.

 

„Weißt du“, begann Margarita, „nachdem ich irgendwann das Gefühl in mir hatte, dass du in meinem Herzen immer bei mir bist, auch, wenn du gerade an einem ganz anderen Ort warst, konnte ich langsam wieder beginnen, glücklich zu sein. Ich habe angefangen, Bilder zu malen, die mich an dich und an unsere gemeinsame Zeit erinnert haben.“

 

Sam war gerührt. „Die musst du mir unbedingt alle zeigen.“

 

„Das mache ich“, versprach Margarita. „Und was hast du in den letzten Jahren gemacht?“

 

Ein Lächeln legte sich auf Sams Gesicht. „Ich habe jeden Tag einen Brief an dich geschrieben.“

 

„Wirklich?“ fragte sie etwas ungläubig. „Jeden Tag?“

 

„Ja, immer Abends, wenn ich hier auf unserer kleinen Bank gesessen habe. Wenn du möchtest, darfst du jeden einzelnen davon lesen. Dann weißt du auch ganz genau, was ich in den drei Jahren getrieben habe.“ Bei diesem Satz zwinkerte er Margarita zu, nahm ihre Hand in seine und nickte mit dem Kopf in Richtung Wasser. „Schau“, sagte er. „Was für ein wundervoller Sonnenuntergang.“

 

„Ja, wunderschön“, stimmte sie ihm zu. „Ob er morgen wohl auch so schön sein wird?“

 

„Lass es uns einfach rausfinden“, flüsterte Sam. „Ab heute kommen wir jeden Tag wieder gemeinsam hierher, zu unserer kleinen Holzbank.“

 

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